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Tomatenkultur: Am Boden kriechend oder am Stab

Im Arche Noah Magazin (Mitteilungen des Vereins Arche Noah) 4/2004 wurde unter Garten Tipp von Herrn Peter Zipser die Frage des Jahres 2004 erörtert sollen die Tomaten wie konventionell gewohnt an Stäben gebunden oder am Boden kriechend gehalten werden. Die Frage ist daher besonders aktuell geworden , nachdem Herr Erich Stekovics in Frauenkirchen alljährlich sein Paradeiser Festival abhält, und tausende Tomatensorten den staunenden Publikum vorführt die alle am Boden kriechend auf Stroh gehalten werden. Herr Erich Stekovics propagiert dabei die kriechende Bodenhaltung auf Stroh , dabei fragt sich der Hausgärtner habe ich wirklich bisher alles falschgemacht.
Inerhalb dieser Seite sollen einige Versuchsergebnisse sowie pro und kontra Meinungen gegenüber gestellt werden. Zusätzliche Meinungen sind willkommen , senden Sie ein Email mit Ihrer Meinung über diesen Link. Diese Meinung kann dann hier zur Diskussion gestellt werden.

Garten-Tipp Tomatenkultur: Am Boden kriechend oder am Stab
Peter Zipser (Veröffentlichung auf diesen Seiten mit Genehmigung des Autors)

Kaum ein Thema wurde im Laufe des vergangenen Jahres im Gefolge das aktuellen „Paradeiserbooms“ unter Österreichs HausgärtnerInnen so leidenschaftlich diskutiert, wie die Frage nach der richtigen Tomatenkultur.

Die häufigsten Fragen lauteten:

Ein Auslöser für diese bei den HausgärnterInnen immer wiederkehrenden Fragen waren wohl auch die zahlreichen Medienberichte über den ARCHE NOAH –Vielfalterbauern Erich Stekovics, über dessen Tomatenanbauversuche im burgenländischen Seewinkel (2004: ca. 3000 Paradeisersorten im Anbau!) viel zu hören war. Dabei wurde natürlich auch sehr ausführlich über die von ihm praktizierte Methode berichtet, nämlich die Pflanzen ohne auszugeizen, am Boden kriechend zu kultivieren. Die Ernteergebnisse und die daraus gewonnenen Produkte waren überzeugend. Dennoch stellte sich vielen GärtnerInnen die Frage: ist denn das richtig, habe ich bisher alles falsch gemacht?

Leider lässt sich diese Frage nicht ganz so einfach mit „ja“ oder „nein“ beantworten, sie verlangt eine etwas differenziertere Betrachtungsweise:

Tomaten in Bodenhaltung

Um mehr Licht in dieser Angelegenheit zu bringen, wurde heuer bei ARCHE NOAH dazu ein Vergleichsanbau durchgeführt. Josef Wieners, ein Praktikant im ARCHE NOAH Vermehrungsgarten entwickelte dazu folgende Versuchanordnung: er baute im Freiland 50 verschiedene Cocktailparadeiser-Sorten a 4 Pflanzen in 4 Reihen nebeneinander an. 1 Pflanze pro Sorte wurde immer streng ausgegeizt und ein-triebig am Stab hochgezogen, eine zweite wurde laufend streng ausgegeizt und drei-triebig hochgezogen, die dritte und vierte Pflanze der jeweiligen Sorte wurde liegend und ohne auszugeizen kultiviert. Während der gesamten Kulturdauer wurden laufend der Gesundheitszustand und Ernteerträge der Pflanzen festgehalten und miteinander verglichen.

Unterschied eintriebig/dreitriebig

Dabei ergab sich für den Standort Langenlois unter den klimatischen Gegebenheiten des Jahres 2004 im Überblick etwa folgendes Ergebnis:

Heißt das also, dass Hausgärtner Paradeiser nur am Boden liegend kultivieren sollen?
Das kann man so natürlich nicht sagen. Das Auftreten eines bedrohlichen Braunfäulebefalls hängt vor allem vom Wetter in den Sommermonaten ab: über 6 Stunden nasse Blätter an der Pflanze führen regelmäßig zur Infektion durch diesen Pilz und dessen massiver Ausbruch kann dann nur durch sehr trockenes Wetter bzw. durch entsprechende Kulturmaßnahmen verzögert werden. Also hängt es vor allem vom Witterungsverlauf während der Sommermonate ab, ob die Pflanzen besser hochgezogen kultiviert werden sollen oder ob sie auch am Boden wuchern dürfen.
Dass im trocken-warmen, eher sehr windigen pannonischen Klima die letztere Methode mit Erfolg angewendet werden kann, ist verständlich. Aber je feuchter und kühler die Sommer verlaufen, umso eher verlangen die Paradeiser nach einer Kulturtechnik, die nach Regen ein rasches Abtrocknen der Pflanzen ermöglicht, also weg vom Boden, nicht buschig, sondern durchlässig und eher an luftigen Standorten wachsen lassen. In vielen Regionen Österreichs, die sich nicht durch trocken-warmes Weingartenklima auszeichnen, wird daher das ein-triebige Hochziehen der Paradeiserpflanzen nach wie vor die erfolgreichste Methode bleiben!
Mehrtriebige Kulturführung kann natürlich bei weitem Auseinanderleiten der Triebe und strengem Ausgeizen auch erfolgreich umgesetzt werden. Natürlich ist auch die richtige Sortenwahl an einem weniger günstigen Standort besonders wichtig. Anbauversuche zeigen deutlich, dass die Sorten unterschiedlich empfindlich für den Ausbruch der Braunfäule sind.

Was das Entspitzen der Paradeiserpflanzen im Spätsommer betrifft, so muss aus heutiger Sicht ein klares „Nein“ ausgesprochen werden. Alle einschlägigen modernen Gartenbaubücher lehnen diese Kulturmaßnahme ab. Bei den Erwerbsgärtnern verzichtet man darauf schon einmal aus Kostengründe (der mögliche Mehrertrag wird durch die erwachsenden Kosten für das Entspitzen deutlich übertroffen). Bei den HausgärtnerInnen ist das Entspitzen aber aus pflanzengesundheitlichen Überlegungen abzulehnen.
Unserer Erfahrung nach (Vergleichsanbau!) beschleunigt das Entspitzen den Zusammenbruch der Paradeiserkulturen durch Braunfäule ganz dramatisch! Durch das Abschneiden der vitalsten Pflanzenteile bricht im Gefolge die Widerstandskraft der Pflanzen gegen drohende Pilzkrankheiten meist rasch zusammen.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Wahl der Art der Paradeiserkultur im Freiland in Abhängigkeit vom Standort und seinen klimatischen Verhältnissen entschieden werden muss. 2 bis 3-triebig gezogene Tomatenpflanzen bringen im Freiland auch höhere Erträge. Allerdings ist der „technische“ Aufwand bei der Kulturführung (Bau von Rankgerüsten) etwas höher und auch die Ernte kann sich etwas zeitaufwändiger gestalten, da die Pflanzen zum Teil unübersichtlicher wachsen. Deshalb sind diese Methoden für den Erwerbsanbau auch wenig interessant, aber für den Hausgarten mehr als einen Versuch wert.

Auf ein erfolgreiches Paradeiserjahr 2005,
Ihr Peter Zipser

Emailadresse: Peter Zipser

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Replik auf den Artikel von Peter Zipser von Georg Parlow

lieber peter:

heute kam die arche noah zeitung, wie immer vielfältig und informativ. auch deinen beitrag zum vergleich verschiedener kulturarten finde ich einen interessanten und wichtigen ansatz, sehr im sinne der permakultur.

ich selbst experimentiere auch zu genau diesem themenbereich seit ca. 10 jahren - unterschiedliche arten der kutur von tomaten (u.a.). bis jetzt habe ich allerdings noch nie die ressourcen gehabt, einen so wissenschaftlich aufgezogenen versuch zu machen wie dein praktikant. meine versuche waren immer über mehrere jahre und auch verschiedene standorte gezogen, was die exakte vergleichbarkeit nicht möglich macht. somit sind meine ergebnisse in ihrer statistischen relevanz zwar wertvoll, aber doch eher anekdotisch als wissenschaftlich.

ich schicke das voraus, weil ich einen bestimmten aspekt deines artikels nachdrücklich kritisieren muss. bei dem versuch wurden cocktailtomaten verwendet, doch beim lesen deines artikels kann ganz leicht der eindruck entstehen, dass die von dir zitierten ergebnisse auch für großfrüchtigere tomaten gelten würden. meine eigenen versuche bestätigen deine ergebnisse, soweit es lycopersicum pimpinellifolium und kleinfrüchtige kreuzungen betrifft. bei lycopersicum esculentum hingegen habe ich immer wieder folgendes festgestellt: der weitaus höhere fruchtansatz reift zu einem viel geringerem prozentsatz aus, wie bei eingeizig gezogenen tomaten. da der platz- und nährstoffbedarf einer ungegeizten, nicht hochgebundenen tomate dem mehrerer eingeizig gezogenen entspricht, sinkt dadurch eindeutig der flächenertrag. je nach sorte steigt auch der verderb der am boden liegenden früchte an, ebenso der schneckenfraß, der ja bei hochgebundenen tomaten so gut wie gar nicht ins gewicht fällt. tomaten sind im natürlichen habitat halbe spreizklimmer, liegen also selten ohne andere pflanzen, an denen sie sich stützen und lehnen können, am flachen boden herum. cocktailtomaten tun sich da viel leichter, weil das gewicht ihrer früchte sie nicht zu boden zieht. das bezüglich der menge des fruchtansatz und der tatsächlichen abreifung trifft teilweise auch bei cocktailtomaten zu, je nach sorte. während yellow currant und ähnliche rel. frühe minisorten super geeignet sind fürs verwildernlassen, habe ich bei der eher späten dattelwein festgestellt, dass ich von dreigeizig gezogenen pflanzen weniger reife früchte ernten konnte, als von eingeizig gezogenen.

vielleicht kannst du diese meine erfahrungen ja irgendwie einfließen lassen in die große wissensdatenbank der ethnobotanik....

alles gute, und liebe grüße
georg

Emailadresse Georg Parlow

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Reflektionen zu den Stekovics Anbaumethoden

Ich habe nun das Paradeiser Festival und die Tomatenfelder (4 ha und mehr als 3000 Sorten) des Herrn Stekovics in Frauenkirchen besucht. Der Eindruck war sehr zwiespältig. Bei der Einführung vor der Feldbegehung wurden Tipps für den Tomatenanbau gegeben , die diametral meinen eigenen Empfehlungen gegenüber stehen (und wohl auch den meisten verfügbaren Tomatenpflanzanleitungen). Beispielsweise auf die Frage "wann soll man Ausgeizen" wurden 3 Gründe genannt 1. Man hat sonst nichts zu tun und möchte die Zeit totschlagen 2. Wenn man unbedingt höhere Tomatenpflanzen haben will als der Nachbar und 3. wenn man größere aber weniger schmackhafte Tomaten als der Nachbar ernten will.
Also Nicht-Ausgeizen und die Tomaten sehr trocken halten.
Nach der Führung mußte ich anerkennen , daß diese Grundzüge für die Art der Haltung seiner Tomaten richtig sind.
Es wäre ja unheimlich arbeitsintensiv zig-tausende Pflanzen auszugeizen und hochzubinden. So werden die Tomatenpflanzen nicht ausgegeizt und hochgebunden sondern bleiben am Boden auf Stroh liegen. Das Stroh verhindert eine Austrocknung des Bodens und fördert die schnelle Trocknung der obigen Lagen , sodaß keine Braunfäule entsteht und auch keine Spritzmittel dagegen eingesetzt werden müssen. Hier finden sie ein Foto eines Tomatenfeldes von Stekovics.
Tomatenfeld bei Stekovics,Frauenkirchen

Durch die trockene Haltung und das Nicht-Ausgeizen der Triebe wird die Pflanze in Ihrem Wachstum ziemlich gehemmt , sodaß die Üppigkeit , wie sie in normalen Gärten für Tomaten gegeben ist , fehlt. Die Tomaten bleiben meist kleiner und reifen später. Über Allem steht die Hauptaussage das alles der Erzielung eines guten Geschmackes untergeordnet wird und die Tomaten nach dieser Methode hochgezogen wären einfach würziger. Da die Tomaten in Betrieb selbst weiterverarbeitet (getrocknet ,konserviert) werden ist das Aussehen zweitrangig.
Besonder stolz war Herr Stekovics auf seine Exporte nach Italien - ins klassische Land der Tomatenhaltung.

Herr Stekovics erläutert

Für mich stellt sich nur die Frage ob man seine Methoden auch den Hausgärtnern empfehlen kann , wie er es gemacht hat. Obwohl er recht haben könnte , das karger gezogene Tomaten würziger sind , ist es jedoch das Bestreben eines jeden Hobbygärtners große und schönere sowie früher reifere Tomaten (als der Nachbar) zu ernten. Mit kleinen Früchten die spät reif werden , erntet man keine Anerkennung und die Aussage die Tomaten seien aber würziger , wird nur als Schutzbehauptung angenommen. Außerdem ist die Ausbeute/Fläche beim konventionellen Anbau sicher höher. Zum Vergleich zeige ich ein Foto der Tomatensorte Zhuan Hong Kiao konventionell gezogen zu dem Ergebnis der Anzucht nach der Stekovics Methode.

Vergleich der Anzuchtmethoden

Link zur Homepage von Erich Stekovics .
Der Link gibt leider wenige Informationen in Bezug auf die Tomatenhaltung. Einige Hintergrundinformationen findet man unter dem Menüpunkt Presse.

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